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Das Heim

Susans Sicht:

Natürlich hatten sie uns gleich nach der Ankunft getrennt wie erwartet… Ich war als letztes aus dem Polizeiauto geholt worden und musste nun durch das selbe Prozedere wie die anderen vor mir. Dieses Heim für Schwererziehbare kam einem Hochsicherheitsgefängnis für Teenager gleich.

Ich wurde insgesamt 4 mal abgetastet. Einmal beim aussteigen aus dem Wagen, ein zweites Mal bevor ich in den Empfangsbereich durfte, dann noch mal im Empfangsbereich und ein letztes mal beim verlassen des Empfangsbereichs und eintreten in das eigentliche Waisenhaus. Und das immer von einer anderen Person. Etwa nach dem Motto: 8 Hände sehen mehr als 2.

Jetzt wo ich drin war, waren die Sicherheitsvorkehrungen dennoch kein bisschen weniger sicher. An den Fenstern waren Gitter, die wiederum mit Sicherheitsanlagen ausgestattet waren. Alle paar Meter konnte man ein Gitter hinunterlassen, das die Gänge abtrennte. Diese waren aber momentan alle hochgezogen. Alle paar Minuten kam man an einer patrouillierenden Wache vorbei und zur Krönung trugen die Angestellten Taser und Schlagstöcke und die  Türen, die zu Bereichen führten, in die wir nicht hinein durften, waren unter Strom gesetzt und passwortgeschützt. Ich meine, komm schon, wen hielten sie hier fest? Massenmörder?

Ich habe schon Gefängnisse gesehen, die weniger gut geschützt waren und in denen saßen teilweise wirklich Massenmörder. Das hier würde wohl doch eine größere Herausforderung werden als wir dachten.

Ich weiß nicht wohin sie die anderen gebracht hatten, aber ich wurde in den 6.Stock eskortiert und zwar in ein Zimmer mit dem Buchstaben G und ironischerweise der Ziffer 666. Man sollte meinen, dass man so ein Zimmer entfernen würde, weil das möglicherweise Unglück bringt, aber anscheinend war man hier nicht sehr abergläubisch.

Bevor ich in das Zimmer durfte, wurde noch einmal sehr sorgfältig kontrolliert, ob auch alles sicher ist. Dann wurde ich unsanft in das Zimmer gestoßen und die Tür wurde hinter mir abgeschlossen.

Ich sah mich sorgfältig um. Ich hatte erwartet, dass im Zimmer Kameras installiert waren, aber entweder man respektierte hier die Privatsphäre der Kinder, was sehr unwahrscheinlich war oder sie waren was Kameras anging noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Naja, vielleicht wollten sie auch einfach keine Beweise von dem haben, was sie hier taten. Dieser Gedanke war irgendwie sehr beunruhigend…

 

Lilys Sicht:

In dem Zimmer, in das sie mich stießen, gab es 2 Betten. Das eine schien unbenutzt zu sein. Darauf lag ein hässlicher grauer Gefängnisanzug. Auf dem anderen saß ein Mädchen, dass etwa in meinem Alter war und mich böse anstarrte.

Der Raum war fast schon verboten klein. Mit den 2 Betten und dazugehörigen Nachttischen war kaum noch genug Platz zum stehen da.

Nachdem es im Zimmer nichts interessantes zu sehen gab, musterte ich meine Zimmergenossin/ potenzielle Gefahr genauer. Mein geübter Blick wanderte einmal über die genauen Einzelheiten ihres Körpers, über Aussehen, Haltung und Details wie Schwielen oder ähnliches und erkannte schnell, dass sie zwar unfreundlich und passiv aggressiv war, aber selbst wenn sie mich nicht leiden konnte, keine Gefahr bestand, dass sie mich angreifen, verpetzen oder sonst irgendwas gegen mich unternehmen würde. Dafür hatte sie viel zu viel Angst vor mir. Sie würde brav sein und garantiert keinen Finger gegen mich rühren.

Wenn ich wetten dürfte, würde ich sagen, dass sie nur hier war, weil sie ein paar mal irgendwo eingebrochen war und ihre Eltern nichts mit ihr anfangen konnten. Wahrscheinlich hatte sie es sich auch noch mit ein paar reichen Leuten verscherzt, indem sie zur falschen Zeit ins falsche Haus eingebrochen ist und sich dann auch noch hat erwischen lasse. Das alles hatte sie hierher katapultiert. An ihren blauen Flecken und leichten Prellungen konnte ich auch noch sagen, dass sie sich hier nicht sonderlich gut einfügte und den Leuten hier wahrscheinlich teilweise als Punching ball diente. Ich konnte nur für sie hoffen, dass sie hier herauskam, bevor sie getötet wurde. Auch wenn sie mich offensichtlich nicht leiden konnte.

Das konnten hier garantiert alle nicht. Unsere Väter gehörten zu den meist gesuchten Verbrechern in ganz Amerika und die Wahrscheinlichkeit, dass hier wenigstens einer jemanden kannte, der jemanden kannte, der jemanden kannte, der ein übernatürliches Wesen war und von den beiden daher getötet wurde, ist wirklich enorm hoch.

Ich setzte mich auf das Bett und fing an meine Schuhe auszuziehen, um mich umzuziehen, da es hier offenbar keine extra Umkleiden gab. Dabei kam eines meiner übrigen Messer zum Vorschein und ich hörte wie das Mädchen auf dem anderen Bett scharf die Luft einsog.

Es war ein Silbermesser. Sehr gut gegen Formwandler. Silber war wie Gift für sie und so ziemlich eines der einzigen Dinge mit denen man einen Formwandler töten konnte.

Ich nahm das Messer und zog es vorsichtig aus dem Zwischenraum zwischen dem Außenstoff des Schuhs und dem Futter. Dann legte ich es neben mich aufs Bett und sah das Mädchen mit gegenüber an. Ich schaute ihr direkt in die Augen und legte warnend einen Finger auf die Lippen, als Zeichen, dass sie lieber nichts davon verraten sollte. Dann zog ich mich weiter um und brachte noch 3 weitere Messer zum Vorschein, die so gut versteckt waren, dass sie bei der lockeren Kontrolle, der ich unterzogen worden war, nicht zu finden waren.

3 der Messer legte ich sorgfältig versteckt in meinen Nachttisch. Nur das Silbermesser kam zurück an seinen Platz im Schuh. Man wusste ja nie…

 

Calebs Sicht:

Ich traf die anderen im Speisesaal zum Abendessen wieder. Ursprünglich wollten wir uns schon vorher rausschleichen, aber da wussten wir noch nicht wie gut alles bewacht war.

Wir saßen am selben Tisch und löffelten ohne großen Appetit in unserem Essen herum, dass wir nicht identifizieren konnten. An den Wänden standen überall Wachen, die andauernd zu uns rüberschauten. Sie schienen es nicht gern zu sehen, dass wir zusammen saßen.

„ Ich glaube es ist Haferbrei, der einfach eine seltsame Farbe hat.“,meint Lily gerade.

„ Sicher?“, meldete sich daraufhin Ethan zu Wort, „ Ich finde es sieht eher aus wie pürierte Kartoffeln mit sehr viel Guacamole.“

Susan hatte ihren Löffel beiseite gelegt und schaute die beiden säuerlich an. „ Ist doch völlig egal was es ist. Ich werde das Zeug ohnehin nicht essen. Konzentriert euch lieber auf die wichtigen Dinge. Also… wie ist eure momentane Situation? Kommt ihr heute Nacht raus und schafft es euch mit uns zu treffen?“

Nun meldete ich mich zu Wort.

„ Ich bin im 4.Stock im Zimmer G466 und zwar allein und es gibt auch kein Kameras, also dürfte ich rauskommen, aber ab da bräuchte ich noch mehr Infos. Wir sind noch nicht lange genug da, als das ich die Regeln und Abläufe kennen würde. Irgendwelche Infos dazu Ethan?“, wandte ich mich an unser Superhirn.

Der nickte.

,, Ich habe schon ein paar Infos, teilweise von meinem Mitbewohner und teilweise habe ich sie selbst herausgefunden. Also größtenteils haben die Buchstaben keine Bedeutung, sondern nummerieren nur die Gänge durch, aber es gibt da ein paar Ausnahmen. G steht für Gefährlich, U für ungefährlich, P für Psycho und V für Verrückt. Die Geschosse sind nach Alter geordnet, also das Erdgeschoss ist von 6-11 Jahre. Dann kommt der 1.Stock für die 12jährigen, der 2. für die 13jährigen, der 3.für die 14jährigen,der 4.für die 15jährigen,der 5.für die 16jährigen, der 6. für die 17jährigen und der 7. für die 18jährigen. Bis auf die Zimmer teilen sie innerhalb der Stockwerke nicht zwischen Jungs und Mädchen auf. Wir kommen ja sowieso nicht aus unseren Zimmern.

Es gibt anscheinend einen Keller hinter einer der gesicherten Türen. Keine Ahnung was da unten ist. Die Wachen haben keinen erkennbaren Zeitplan, was ihren Schichtwechsel angeht, aber ein paar von denen sehen noch wie ganz schöne Frischlinge aus wie der unten am Empfang, der uns abgetastet hat.“

Susan nickte. „ Ja, ich erinnere mich an ihn. Er sah süß aus. Er wirkte außerdem nicht als würde ihm alles hier gefallen was sie so machen und er schien leicht zu beeindrucken zu sein. Ich denke er könnte uns noch nützlich sein. Es dürfte nicht so schwer sein ihn zu manipulieren.“

Sie grinste verschwörerisch. So wie sie immer grinste, wenn sie ihre körperlichen Attribute einsetzten konnte, um unseren Job leichter zu machen. Manchmal erinnerte sie mich mehr an meinen Dad als an ihren.

Ethan nickte und schien sichtlich zu versuchen ihre Anspielung zu ignorieren.

„ Ja, gut.“, sagte er stirnrunzelnd in dem Versuch wieder zum Thema zu kommen. „ Die Wachen haben allerdings ihre Angewohnheiten und strikte Bewegungsabläufe. Eigentlich sollen sie immer die Strecke von ihrem Ausgangspunkt bis zum Ausgangspunkt der Wache rechts von ihnen, dann zurück zu ihrem Ausgangspunkt und dann bis zum Ausgangspunkt der Wache links von ihnen laufen. Das machen sie aber nicht alle. Die Frischlinge sind damit so genau, dass sie so schnell hin und her marschieren, dass sie einen größtenteils gar nicht sehen und auch nur Sekunden in Sichtweite sind und die, die schon länger da sind, sind entweder zu faul sich überhaupt zu rühren oder patrouillieren zusammen mit ihren Kollegen und sind dann zu sehr auf die Unterhaltung konzentriert.

Die Gitter werden nur in Ausnahmesituationen heruntergelassen . Die einzigen Ausnahmen sind die an den Ausgängen aus dem Stockwerk, aber die sind nicht gesichert und man kann sie ganz einfach hoch drücken und darunter durchschlüpfen. Naja, und die gesicherten Türen kann man hacken ,also dürfte das ganze nicht so schwer werden wie man auf den ersten Blick denkt.“

Ich nickte. „ In Ordnung. Das dürfte man schaffen.“

Ich sah wie Lily zu den Wachen hinüber schielte. „ Was ist?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich könnte die Wachen dort so einfach töten. Aber nein, wir sitzen es erstmal aus und tun so als wären wir brav und harmlos. Dabei haben wir besseres zu tun .“, meinte sie frustriert.

Es war offensichtlich, dass sie unseren Plan nicht mochte. Sie hasste es eingesperrt zu sein und passiv zu bleiben. Sie war schon immer mehr fürs angreifen, aber das hatte sich noch verstärkt als sie mit uns einen Teil des Kainsmals übernahm. Es hatte uns alle blutrünstiger und aggressiver gemacht.

Ich streckte die Hand über den Tisch und packte sie am Arm. „ Beruhige dich, Lily. Wir töten keine Menschen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Wir versuchen schließlich sie zu beschützen.“

Ich spürte ihren Puls unter meiner Hand rasen. Ich schaute in ihre Augen. Sie hatten dieses fanatische glühen, dass ich in letzter zeit immer öfter an ihr gesehen hatte.

„ Lily, deine Augen. Beruhige dich.“, sagte ich ruhig und dennoch eindringlich.

„ Ich will mich nicht beruhigen. Ich will sie töten. Wir schützen sie und das ist ihr Dank. Sie haben es verdient zu sterben.“, fauchte sie zurück.

„ Das hast nicht du zu entschieden.“, sagte ich , immer noch bemüht ruhig zu bleiben.

Ich spürte wie sie versuchte sich loszureißen, doch ich packte ihren Arm nur noch fester.

„Lily!“ doch sie reagierte nicht.

Ich sah wie ihre andere Hand hinunter zu ihrem Schuh glitt, in dem sie immer ein Messer versteckt hatte, da hörte ich Ethans Stimme: ,, Lily! Das ist ein Mensch. Du willst gerade einen Menschen töten. Was denkst du würde Castiel davon halten?“

Ich sah wie Lily inne hielt. Ihre Augen wurden wieder klar und das fanatische Glühen darin verschwand. Ihr Puls beruhigte sich etwas, auch wenn er immer noch ungewöhnlich schnell war.

Ich sah Ethan an. Er hatte sie schon immer besser beruhigen können als ich , ihr eigener Bruder.

Ich spürte wie Lily tief und langsam durchatmete und ließ ihren Arm los. Sie stand auf.

„ Ich hole mir ein Glas Wasser.“ Damit verließ sie den Tisch und ging langsam durch den Raum auf die Theke zu.

 

Lilys Sicht:

Ich hörte wie mein Herz immer noch schnell gegen meine Brust schlug und spürte immer noch die Wut in meinem Magen, aber jetzt hatte ich sie wieder unter Kontrolle. Ich hatte den Instinkt des Kainsmals erneut besiegt und zurückgedrängt, aber wie lange würde es noch dauern bis ich das nicht mehr konnte? Wie lange bis ich jemand Unschuldigen tötete?

Ich hielt eines der bereitstehenden Gläser unter den Wasserautomaten als ich plötzlich jemanden hinter mir spürte. Ruckartig drehte ich mich um und riss den Arm hoch. Gerade noch rechtzeitig um die auf mich zufliegende Faust abzufangen. Ich bremste die Faust des mir gegenüberstehenden älteren Jungen mit meiner Hand ab und verdrehte ihm ohne groß zu überlegen das Handgelenk bis es knackte.

Der Junge schrie auf und ging zu Boden. Ich ließ seine Hand los und schaute auf den etwa 16 Jahre alten Muskelprotz hinab, der mich angegriffen hatte und nun winselnd auf dem Boden lag und sich die gebrochene Hand hielt.

Wow. Selbst für so eine Institution war es schon ziemlich krass, dass ein 16 jähriger ein 7 Jahre jüngeres Mädchen angriff anstatt seine Wut an einem ihrer älteren Geschwister auszulassen. Das war einfach nur feige. Das er mich nicht im geringsten verletzt hatte und nun jammernd am Boden lag, geschah ihm nur recht.

„Ich glaube ich habe gerade deinen os scaphoideum, deinen os lunatum, deinen Radius und deine Ulna gebrochen. Also ein paar deiner Handwurzelknochen und deine Speiche &Elle.“ , sagte ich gelassen.

Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und drehte mich um. Susan stand vor mir.

„ Verstehst du das unter keine Aufmerksamkeit erregen?“, fauchte sie wütend.

Ich blitze sie sauer an. „ Er hat mich angegriffen.“, verteidigte ich mich bockig.

„Das wird sie wohl nicht interessieren.“ , sagte sie und deutete mit dem Kopf auf die Wachen, die bereits auf uns zu eilten. „ Vor allem, weil er derjenige ist, der jetzt auf dem Boden liegt.“

Ich verstand was sie meinte, wusste aber nicht, was ich hätte anders machen können. Ich hatte ihm zeigen müssen, dass ich mich verteidigen kann , um weitere Angriffe auszuschließen. Zumindest von seiner Seite.

Die Wachen waren fast bei uns angelangt.

„Verteidige dich nicht. Wir können nicht noch mehr Aufmerksamkeit gebrauchen.“, zischte Susan mir zu ,bevor sie zurücktrat und in der Menge verschwand.

Ich drehte mich den Wachen zu, die ihre Schlagstöcke in der Hand hielten, ging auf die Knie und hielt die Hände in die Luft als Zeichen, dass ich mich ergab. Die Wachen kamen auf mich zu & schauten mich einen Moment überrascht an. Dann holte der, der mir am nächsten war aus und schlug mir mit voller Kraft mit dem Schlagstock in den Magen. Ich krümmte mich stöhnend zusammen. Ich hatte kaum Zeit mich wieder aufzurappeln als mich auch schon der Stromstoß des Tasers traf. Ich schrie auf. Keine Ahnung wie hoch die Stromanzeige stand, aber definitiv höher als erlaubt. Wellen der Pein durchfluteten meinen Körper. Dann wurde mir schwarz vor Augen.