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Verhaftung


Susans Sicht:

Ich stand da und sah hilflos zu wie mein Dad Sam Winchester und mein Onkel Dean Winchester von 5 Cops zugleich in einen Gefangenentransporter gequetscht wurden. Mein erfahrener Blick erkannte sofort, dass er selbst für die Beiden völlig ausbruchsicher war.

Sie wurden zahlloser Verbrechen wie Körperverletzung, Mordes, Fälschung von Papieren, Einbruch und mehrmaligem Ausbruch aus dem Gefängnis angezeigt. Eigentlich wegen so gut wie jedem Verbrechen, dass man begehen konnte. Und das nicht zu unrecht, um genau zu sein.

Wir alle hatten auf der Jagd nach dem Übernatürlichen so gut wie jedes Gesetz gebrochen, das es gibt. Aber bei diesem Job geht es einfach nicht ohne Gesetze zu brechen. Die sind hier völlig egal. Ein Vampir oder ein Geist scherte sich nicht um irgendwelche Gesetze. Und wenn du dann nach den Gesetzen arbeitest, bist du in dieser Branche ganz schnell sehr tot.

Eigentlich müsste man meinem Vater und meinem Onkel einen Orden verleihen, weil sie die anderen ahnungslosen Menschen so gut es eben ging von dem Übernatürlichen schützten. Aber natürlich glaubten die meisten Menschen nicht an das Übernatürliche.

Stattdessen bedankten sie sich bei meiner Familie, indem sie uns hinter Gitter brachten. Dad und Onkel Dean wurden in das beste Hochsicherheitsgefängnis gebracht, das Amerika zu bieten hatte. Was auch sonst?! Dort wurden diejenigen eingesperrt, die zu gefährlich für normale Gefängnisse waren und die, die sonst aus jedem Gefängnis ausbrachen. Ich hatte gehört, dass es in diesem Gefängnis nicht wirklich legal zuging und dass es noch niemand geschafft hatte dort auszubrechen. Es sollte wie ein 2. Alcatraz sein. Oder schlimmer.

Allerdings machte ich mir keine sonderlich großen Sorgen. Mein Dad und Onkel Dean konnten überall ausbrechen. Es war nur eine Frage der Zeit…

Mein Dad sah mich an und in seinen Augen stand Sorge. Sorge um uns. Dann schlossen sich die Türen und versperrten den Blick auf meine Väter. Denn das waren sie beide für mich. Väter. Mein leiblicher Vater und mein zusätzlicher Vater. Wir standen uns alle so nah, dass mein Onkel weniger mein Onkel war als mein Zweitvater. Deswegen hatte mein Dad mir noch bevor er verhaftet wurde, das Versprechen abgenommen, dass ich auf die Anderen aufpassen würde.

Die Anderen, das waren mein Bruder Ethan (14 Jahre), mein Cousin Caleb (15 Jahre) und meine Cousine Lily (9 Jahre). Ich war mit meinen 17 Jahren die Älteste und trug damit die Verantwortung. Dennoch war das Versprechen, das mein Dad mir abgenommen hatte, völlig unnötig. Die Jagd auf das Übernatürliche und der Tod unserer Mütter sowie vieler anderer geliebter Menschen hatte uns fester zusammen geschweißt als normale Geschwister. Denn das waren sie für mich alle: Geschwister. Egal ob wir die selben Eltern hatten oder nicht. Wir verbrachten bereits unser ganzes Leben ohne Pause miteinander und ich fühlte mich für sie verantwortlich. Mit oder ohne Versprechen. Wir würden alle alles füreinander tun. Ich glaube sogar jeder von uns würde für die anderen sterben. Wie unsere Väter.

Genau genommen kämpfte ich gerade jetzt gegen den Drang an ,entgegen aller Vernunft , die Anderen zu packen und ganz schnell zu verschwinden. Und vielleicht auf dem Weg hier weg noch ein paar Polizisten zu verprügeln. Allerdings hatten wir Handschellen an und wurden von etwa 10 Polizisten mit Waffen bewacht. Es war nicht unbemerkt geblieben, dass wir an den Taten unserer Väter nicht ganz unbeteiligt gewesen waren, weswegen sie uns nun in ein Waisenhaus für schwer erziehbare Kinder bringen würden. Also quasi in ein Gefängnis für Kinder. Wir würden dort zwar nicht sonderlich lange bleiben, da auch wir nicht ganz untalentiert im ausbrechen waren, aber fürs erste würde es klüger sein den Schein zu wahren und so zu tun als hätten wir nicht viel von unseren Vätern gelernt. Den inwieweit wir wirklich in ihre Verbrechen verwickelt waren, war denen anscheinend noch nicht klar und das war ganz gut so.

Allerdings würde ich auf keinen Fall zulassen, dass sie uns völlig trennten. Ich würde uns um jeden Preis zusammenhalten, darauf konnten die aber wetten. Denn die Menschen waren hier bei weitem nicht die größte Gefahr und alleine waren wir angreifbar. Nur zusammen waren wir stark. Genau wie unsere Väter zusammen quasi unbesiegbar waren.

 

 

Lilys Sicht:

Ich quetschte mich zusammen mit Susan, Ethan und meinem Bruder Caleb auf den Rücksitz des Polizeiautos. Die Polizisten hielten uns anscheinend nicht für eine sonderlich große Gefahr, sonst hätten sie uns nicht zusammen gelassen. Am liebsten wäre ich aus meinen Handschellen geschlüpft und weggerannt.

Seit ich als keines Kind vor ein paar Jahren von ein paar richtig miesen Dämonen als Druckmittel gegen meinen Vater eingesperrt worden war, hasste ich es irgendwo nicht raus zu können. Und da wo sie uns hinbrachten waren wir eingesperrt und konnten nicht raus. Oder zumindest vorerst nicht.

Ich wäre lieber dort draußen in der Natur und würde gegen Gott-weiß-was kämpfen als eingesperrt zu werden und tatenlos herumzusitzen. Aber ich musste bei meinen Geschwistern bleiben. Das war das Erste, dass uns von klein auf eingebläut wurde: „ Bleibt immer zusammen. Keine Alleingänge!“ Denn Alleingänge bedeuteten in unserer Welt fast sicher den Tod. Also versuchte ich ruhig zu bleiben.

Noch vor einem Jahr hätte ich in einer solchen Situation zu Castiel gebetet, damit er engelsgleich wie immer erschien und uns rettete. Aber Castiel war tot. Er war vor einem Jahr von der Finsternis umgebracht worden und diesmal ohne Wiederkehr. Auch meine Tante, Susans und Ethans Mutter, war damals getötet worden und zurück blieben nur Onkel Sam, mein Dad und wir.

Wir mussten nun unsere Probleme selbst lösen. Oder besser gesagt: Susan musste nun unsere Probleme lösen. Nach dem Tod Castiels und ihrer Mutter war sie viel verantwortungsbewusster und ernster geworden. Naja, genau genommen hatte sie auch keine andere Wahl gehabt. Und jetzt,da wir auf uns allein gestellt waren, lag noch mehr Verantwortung auf ihren Schultern, um die ich sie kein bisschen beneidete. Aber ich glaube sie wird das ganz gut händeln. Sie ist die geborene Anführerin. Wie ich sie kenne, hat sie vermutlich bereits einen Plan. Ich musste Susan vertrauen. Eine andere Alternative gab es sowieso nicht.


 

 

Calebs Sicht:

Na klasse, in eine solche Situation konnten auch nur wir geraten. Wie sich Onkel Sam und Dad da wohl wieder raus mogeln wollten? Oder bessere Frage: Wie wollten wir uns da wieder raus mogeln?

Naja, immerhin waren wir zusammen. Ich hätte es auch nie zugelassen, dass sie mich von meiner Schwester trennten. Sie war zwar taffer als sie aussah, aber dennoch würde keiner von uns sonderlich lange allein überleben. Wir waren zu gewöhnt daran zusammen zu arbeiten und uns auf die anderen zu verlassen. Ich sah zu meiner Schwester. Ich konnte ihre Nervosität spüren. Sie war nicht weit davon entfernt sich auf den nächstbesten Polizisten zu stürzen und mit seinem eigenen Messer auf ihn einzustechen. Sie hasste es eingesperrt zu sein, aber noch riss sie sich zusammen.

Mein Blick flog zu Susan. Sie starrte in die Ferne. Sie schien zu überlegen, was wir jetzt genau machen sollten. Hoffentlich viel ihr schnell etwas ein. Dann sah ich Ethan unser Superhirn an. Er wirkte wie immer völlig ruhig und ausgeglichen,aber ich wusste, dass er im Inneren gerade alle Möglichkeiten durchging, die wir hatten, um aus dieser Situation wieder herauszukommen. Na toll! Ich war der Einzige, der nichts tun konnte, denn momentan gab es leider nichts zum abknallen.

 

 

Ethans Sicht:

Nachdem wir losgefahren waren, hatten die Polizisten die Zwischenscheibe hochgefahren und laut Musik angeschaltet. Ich rechnete schnell im Kopf die Wahrscheinlichkeit aus, dass sie uns jetzt noch hören konnten. Die Wahrscheinlichkeit ging gegen 0.

Ich wandte mich an die anderen: „ Wer von euch hat noch eine Waffe, die nicht gefunden wurde?“

Susan schüttelte den Kopf. „Also ich nicht. Die Schweine haben mich verdammt gründlich gecheckt und selbst die kleinste Waffe gefunden. Sie haben sich nicht mal geschämt mich so schamlos zu betatschen.“

Sie machte ganz susanlike gespielt einen Schmollmund. Dabei wusste jeder, dass ihr das Ganze nicht das geringste ausgemacht hatte. So wie ich Susan kannte, hatte die Gefahr zusammen mit der Unverschämtheit der Cops sie sogar noch angeturnt. Im sexuellen Sinne kam sie fast genauso viel herum, wie unser Onkel Dean und schämen tat sie sich für ihren Körper gewiss nicht bei ihren gewagten Outfits…

Auch Caleb schüttelte den Kopf. „Sorry, auch ich wurde sehr gründlich abgetastet und selbst meine besten Verstecke wurden gefunden. Ich hab gar nichts. Sie haben sogar das Versteck in meiner Unterhose gefunden. Was die wohl von Dad gewohnt sind, dass sie sogar an solchen Stellen suchen?“ Er grinste schief.

Ich sah hoffnungsvoll Lily an, aber ich erwartete eigentlich keinen Erfolg mehr. Doch sie grinste verschmitzt zurück. „ Nun, bei mir schienen sie dann doch etwas unangenehm berührt gewesen zu sein bei dem Gedanken mich so genau abzutasten. Anscheinend hielten sie mich sowieso nicht für eine sonderlich große Gefahr. Wenn sie sich da mal nicht getäuscht haben. Ich habe noch ein, zwei Messer.“

Ich hätte sie am liebsten vor Erleichterung umarmt, aber da das mit den Handschellen nicht ging, begnügte ich mich damit ihr erleichtert zuzulächeln. Ein, zwei Messer mochten nicht viel klingen, aber sie waren besser als gar nichts und niemand konnte besser mit einem Messer umgehen,als Lily. Messer waren ihr absolutes Spezialgebiet. Sie hatte schon mit 5 Jahren jeden von uns innerhalb kurzer Zeit mit Messern erledigt und jedes Ziel getroffen, das sie wollte.

Susan meldete sich erneut zu Wort. „Gut, also … die werden uns in ein Waisenhaus für schwer erziehbare Kinder stecken. Das wird verdammt gut gesichert sein, ansonsten würden sie wohl kaum das Risiko eingehen uns dort zu lassen. Dennoch wird es ganz sicher nicht gut genug gesichert sein, um uns lange gegen unseren Willen dort zu halten.“ Sie grinste überlegen.

Damit hatte sie wahrscheinlich recht. Die hatten noch kein Gefängnis erfunden aus dem wir nicht ausbrechen konnten, wenn wir zusammen waren.

„ Die werden unsere Sachen erneut durchsuchen und uns auch noch mal abtasten. Alles, was irgendwie im entferntesten gefährlich ist, werden sie verschwinden lassen. Wahrscheinlich werden sie uns außerdem trennen, sodass wir uns nur bei gemeinschaftlichen Aktivitäten offiziell sehen können. Die oberste Priorität hat also erst mal alles zu finden, was uns irgendwie schützen kann. Den Standard eben: Salz, Eisen,Weihwasser… Wir befinden uns auf unbekanntem Territorium also seit auf jeden Fall vorsichtig und es gelten die Grundregeln für Gefahrensituationen. KEINE ALLEINGÄNGE. Sobald ihr die wichtigsten Dinge zusammengetragen habt, treffen wir uns irgendwie und erkunden in 2er-Teams das Gelände und suchen nach Waffen und Wegen dort rauszukommen, sowie nach Verstecken und allem anderen, was wir finden können, was nützlich sein könnte. Wir müssen unsere Umgebung kennen.

Wenn ihr etwas Übernatürliches seht, spielt nicht den Helden. Wir sind nicht unsere Eltern und wir dürfen vorerst nicht sonderlich auffallen. Wir müssen uns möglichste normal verhalten. Also wenn ihr etwas Übernatürliches seht, verschwindet und macht auf keinen Fall eine Szene oder zieht Aufmerksamkeit auf euch, dass wird uns nur schaden. Sichtungen von Übernatürlichen werden an die anderen weitergegeben und je nach Situation können wir dann immer noch entscheiden zu versuchen das ganze still und leise zu lösen. Verstanden?“

Wir nickten alle. Wir kannten diese Regeln bereits und Susan wusste wovon sie sprach, immerhin war sie bereits einmal Undercover in so einem Waisenhaus gewesen. Außerdem waren Onkel Dean und Dad das Ganze eine Million mal mit uns durchgegangen. Wir konnten das alles fast genauso gut auswendig wie unsere Exorzismen und Weihungen und das ganze Zeug. Wir wussten alles was sie wussten, da sie immer sicher gingen, dass wir nicht hinterherhinkten, sondern uns gegen alles verteidigen konnten, was sie kannten. Das Einzige, was uns fehlte, war die Erfahrung der Beiden. Auch wenn wir ebenfalls bereits etwas Kampferfahrung gesammelt hatten über all die Jahre. Das war unvermeidlich gewesen.

Was Susans Plan anging, konnte ich ihr nur zustimmen. Es war klug das Ganze erst mal etwas zur Ruhe kommen zu lassen, um erst dann etwas zu tun, wenn „die“ etwas unaufmerksamer wurden. Dennoch würde es sich wahrscheinlich als schwieriger herausstellen, als es sich anhörte, denn ich bezweifelte, dass die im Waisenhaus noch nichts von unseren Eltern gehört hatten und in Waisenhäusern für schwer erziehbare Kinder, trieben sich nun mal leider schwer erziehbare und damit meist gewalttätige Kinder herum. Fast wie im Gefängnis. Nur halt für Kinder.

Oh… ich fürchtete mich nicht davor, dass einer von uns verletzt werden könnte. Ich glaubte nur nicht, dass es besonders unauffällig war, wenn man angegriffen wird und keine großen Schäden davon trägt, während der Gegenüber im Krankenzimmer landet. Und seien wir mal ehrlich, dass würde ganz sicher unvermeidbar werden. Insofern hatte Susans Plan eine gefährliche Lücke. Da ich aber keinen besseren Plan hatte und auch diese Lücke nicht beheben konnte, sagte ich nichts und sah mir stattdessen die Landschaft an.

Ich bin mir sicher, dass Susan diese Lücke auch schon aufgefallen war und da bereits alles gesagt worden war, was wichtig war, schwiegen wir den Rest der Fahrt und bereiteten uns auf das vor, was kommen würde, während unsere Hände immer noch in den Handschellen klemmten.