Nach Hause

Sie sitzt in einem Zug, der stetig in Richtung ihres Zieles fährt. Ihre Augen fokussieren liebevoll das Bild auf ihrem Schoß.

Eine kleine Menschenmenge ist darauf abgebildet, die ihr fröhlich entgegen lächelt. 7 Menschen, die alle genauso strohblonde Haare haben wie sie.

Lächelnd drückt sie das Bild an ihr Herz, während ihre Augen durch das Fenster in die Ferne starren. In froher Erwartung endlich zu ihnen zu kommen.

Der Himmel draußen verdunkelt sich und plötzlich fängt es an zu regnen. Das Tosen des Regens und die Nässe in ihrem Gesicht lassen sie blinzeln.

Klären ihren Blick, der starr in die Dunkelheit vor ihr gerichtet war, während sich diese wunderbaren Bilder vor ihren Augen abgespielt hatten.

Die Wärme und die Glücksgefühle, die sie in ihrer Brust gespürt hatte, verblassen und zurück bleibt nur die Kälte der Steinwand in ihrem Rücken und die Feuchtigkeit des Regens, der ihren Schlafsack durchnässt und sich mit ihren Tränen vermischt, die auf das Bild in ihrem Schoß tropfen. Die Menschen darauf lachen sie aus.

Wütend schleudert sie das Bild von sich weg. Es landet weich in einem Haufen weicher Blätter. Nur eine Ecke trifft den harten Steinboden und splittert.

Mühselig krabbelt sie auf das Bild zu.

Ein Rabe quakt in der Nähe. Bedrohlich.

Behutsam hebt sie das Bild auf. Ihr Gesicht zersplittert. Das Lächeln der anderen unversehrt.

Ein Zug fährt lärmend über ihr vorbei. Der Windstoß lässt die Bäume in der Nähe knarren.

Ihre Tränen tropfen auf das Bild. Verängstigt drückt sie es an ihr Herz. Die Scherben schneiden ihr in die Haut.

Weinend will sie zurück in ihren wunderbaren Tagtraum. Irgendwo anders sein, nur nicht hier. Sie wird niemals nach Hause kommen.

Knirschende Schritte auf dem Steinboden. Das Aufblitzen eines Messers im Mondenschein. Dann…Totenstille.