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Kapitel 6

Ich schreckte hoch. Meine Fingernägel hatten sich in das Polster des Sitzes gebohrt und als ich realisierte wo ich war, zwang ich mich sie aus dem Polster zu lösen und locker auf meine Beine zu legen. Ich hatte etwa eine Stunde geschlafen.

Wir waren gleich nach meinem Geständnis losgefahren und Sam und Dean mussten zwischendrin noch mal angehalten haben, um auf dem Friedhof den Knochen eines Heiligen auszubuddeln.

Ich war nach etwa 10 Minuten Fahrt weg genickt und sie hatten mich anscheinend schlafen gelassen, denn jetzt lag ein Knochen neben mir auf dem Rücksitz. Aber das war nicht der Auslöser meiner Albträume gewesen. Nein. Das erzählen meiner Geschichte hatte alte Erinnerungen wachgerufen, die ich immer versucht hatte zu verdrängen und die sich nun in meine Albträume drängten.

Sam hatte sich zu mir umgedreht und sah mich nun besorgt an. Anscheinend hatte ich mich selbst wach geschrien, denn hier war niemand sonst, dessen Schrei mich hätte wecken können.

„Alles gut.“, meinte Sam beruhigend, das Gesicht mitleidig verzogen. „Du bist hier bei uns. Niemand kann dir etwas tun.“

„Ganz genau.“, funkte Dean dazwischen. „Das würden wir niemals zu lassen.“

Ich nickte nur dankbar und sah dann aus dem Fenster. Ich wollte ihr Mitleid nicht. Ich wollte mich nicht mehr schwach und machtlos fühlen. Ich wollte mich stark fühlen. Ich wollte das Gefühl haben , dass ich alles unter Kontrolle hatte. Ich wollte verdammt noch mal eine richtige Hexe sein, die ihre Kräfte beherrschte und nicht, dass sie mich beherrschten!

 

Nach weiteren 10 Minuten, die von Schweigen erfüllt waren, hielten wir erneut an. Anscheinend waren wir da.

„Ok, wir haben den Knochen eines Heiligen. Wo bekommen wir jetzt das Blut einer Jungfrau her?“, fragte ich, in der Hoffnung mich auf den Fall konzentrieren zu können und nicht dauerhaft an meine Vergangenheit oder Sams Körper denken zu müssen.

„Es gibt ein paar Läden, die hinter der Hand solche Dinge an Jäger verkaufen. Hier in der Stadt habe ich auch so einen Laden gesehen. Man erkennt sie an den Jägerzeichen in den Fenstern.“, erklärte Dean und stieg aus dem Wagen.

Ich nahm den Knochen und tat es ihm gleich. Er eilte bereits schnellen Schrittes auf einen Laden auf der anderen Straßenseite zu. Schnell steckte ich den Knochen in die Innentasche meiner Lederjacke und rannte hinterher. Sam war im Auto geblieben und suchte mit Hilfe seines Computers nach Maat.

 

Die Türglocke bimmelte als wir durch die Tür traten. Ein kleiner, sehr lebhafter Mann kam uns entgegen gesprungen und schüttelte uns überschwänglich die Hände.

„Lasst mich raten. Ihr seid Jäger.“ , bemerkte er nach einem kurzen Blick auf uns.

Dean nickte.

Der Kerl war ihm offensichtlich zu überschwänglich, was ganz deutlich an seinem Gesichtsausdruck zu erkennen war.

„Wir brauchen Jungfrauenblut. Haben Sie welches da?“, fragte Dean ohne Umschweife.

Sofort flitzte der kleine Kerl hinter seine Theke und fing an darunter herumzukramen.

„Jungfrauenblut, Jungfrauenblut, Jungfrauenblut.“,trällerte er dabei.

So langsam wurde der Kerl mir unheimlich. Er war viel zu fröhlich für meinen Geschmack. Ein Blick zu Dean sagte mir, dass es ihm genauso ging.

Wir schnappten uns das Glas mit dem Blut, bezahlten und verließen zügigen Schrittes den Laden, bevor der Kerl noch beschloss, dass er uns irgendwie aufhalten wollte. Oder noch schlimmer: zum Abschied umarmte.

 

Sam saß nach wie vor im Auto vor seinem Computer. Ich gab Dean den Knochen und lehnte mich dann durchs Fenster, um ebenfalls auf den Computerbildschirm zu schauen.

„Und ? Irgendwas gefunden?“

„Ich finde einfach nichts, was die Fälle verbindet und uns damit sagt, wo Maat ist.“, meinte er genervt und entmutigt zugleich.

„Was ist im Zentrum der Todesorte?“, fragte ich einer Eingebung nach.

Sam tippte etwas in den Computer ein. „Ein Friedhof.“

„Da wird sie sein!“, meinte ich und irgendwas sagte mir, dass ich damit richtig lag.

„Du bist ein Genie!“, meinte Sam erfreut.

„Klar, wo fühlt sich eine Jenseitsgöttin wohler als auf einem Friedhof?“, mischte sich Dean ein.

Er hatte bereits das Blut über den Knochen gegossen, welches nun langsam anfing zu trockenen. Wir hatten alles um Maat zu töten. Ich hoffte nur, dass die Geister mit ihrem Tod verschwanden, denn ansonsten würden wir haufenweise Leichen ausgraben und verbrennen dürfen.

Immer noch ins Fenster gelehnt, spürte ich Sams Blick auf mir. Ich drehte den Kopf zu ihm um und sah ihn an. Sein Blick war fixiert gewesen und er starrte mein Gesicht verträumt an. Aber als ich ihn anschaute, wandte er den Blick schnell ertappt ab und starrte wieder auf den Computer. Jetzt war ich diejenige, die den Blick nicht von seinem perfekten Gesicht abwenden konnte. Seine glatte Haut,die wunderschönen grünen Augen und diese perfekt geschwungenen, wunderbar weich aussehenden Lippen. Von seiner fast schon epischen Jawline brauchte ich gar nicht mal anzufangen. Und erst recht sollte ich vermutlich nicht an diesen tollen Hals denken, der in muskulöse Schultern und einen perfekten Körper überging… oder an diese atemberaubenden Hände,die gerade auf dem Computer tippten und bei denen ich mir lieber nicht vorstellen sollte,was sie alles tun konnten, wenn ich nicht völlig die Beherrschung verlieren wollte (…oder zumidest den Teil meiner Beherrschung, der noch übrig war. Was nicht sonderlich viel war.) Ich war es nicht gewöhnt mich zurückhalten zu müssen, was das ganze noch intensiver machte.

„Okay. Wir können los, das Blut ist trocken.“, durchbrach Dean meine Trance, worüber ich gleichermaßen dankbar und enttäuscht war.

Ich schaffte es meinen Blick von Sam zu lösen, richtete mich auf und stieg hinten ins Auto, da Dean mir bereits die Tür aufhielt.

 

Zum Friedhof war es nicht mehr weit und wir waren innerhalb von wenigen Minuten dort. Wir parkten das Auto im Schatten einiger Birken und betrachteten den Friedhof, der mittlerweile in Dunkelheit gehüllt war. Nichts rührte sich. Allerdings hatte ich auch nicht erwartet, dass Maat eine Party oder dergleichen feierte, geschweige denn, dass sie irgendwo ein Schild aufgestellt hatte, auf dem stand, wo genau sie war. Sie war eine Göttin, der man noch dazu nach sagte, sie wäre sehr schlau. Sie wusste ganz sicher längst, dass wir kamen und erwartete uns bereits.

Ich bewaffnete mich mit 2 Pistolen, einem Kreuz und dem einen oder anderen Messer. Dean nahm den Knochen an sich.

„Ich hab noch was zu Maat gelesen, dass ich allerdings nicht wieder finden konnte. Dennoch solltet ihr es vermutlich wissen. Maat wiegt nicht nur Seelen ab, sie kann einen auch durch ihre pure Anwesenheit zwingen die Wahrheit zu sagen, also lasst nicht zu, dass sie euch irgendetwas fragt. Sie weiß nämlich genau wie sie die Wahrheit gegen einen verwenden kann.“, fällt mir etwas ein, was ich gelesen hatte als ich in der Schule für einen Vortrag über vergessene Götter recherchierte.

Die beiden sahen mich überrascht an, gaben aber zu erkennen, dass sie verstanden hatten.

 

Wir schlichen leise in die kleine Kapelle in der Mitte des Friedhofes. Sie stand am zentralsten Ort des Geschehens, weswegen ich vermutete, dass sie sich da aufhielt. Mal abgesehen davon war es dort auch gemütlicher als in einem Mausoleum.

Doch in der Kirche war niemand. Sie war völlig verlassen und leer.

Zumindest dachte ich das bis ich hinter Sam einen Schatten schnell heran huschen sah.

„Sam, Achtung!“

Doch zu spät. Sam segelte quer durch den Raum und knallte mit einem lauten Schlag gegen die Wand. Er blieb bewusstlos liegen.

Jetzt griff Dean die Göttin an, die nun mit hoch erhobenem Kopf dort stand, wo Sam zuvor gestanden hatte. Sie hatte lange schwarze Haare,eine Straußenfeder auf dem Kopf und erinnerte an eine ägyptische Prinzessin. Nur mit rabenschwarzen Flügeln.

Sie eilte dem angreifenden Dean entgegen und stieß mich dabei zu Boden als wäre ich nur eine lästige Fliege.

Ich hätte mir keine Sorgen machen brauchen, dass sie uns mit Wahrheiten gegeneinander aufhetzte, denn wir waren es ihr nicht einmal wert den Mund auf zu machen.

Während ich also unsanft auf meinem Hintern landete, schlug Maat Dean den Knochen einfach aus der Hand und schleuderte ihn ebenfalls gegen die nächstbeste Wand. Doch Dean stand wieder auf, zückte sein Messer und rammte es Maat in die Brust, was diese natürlich nicht tötete, sondern nur unglaublich wütend machte.

„Wie kannst du es wagen?“, schrie sie völlig außer sich, packte Dean und presste ihn mit einer Hand am Hals gegen die Wand.

Deans Hände fuhren zu seinem Hals und er versuchte verzweifelt die tödliche Hand von seinem Hals zu lösen, die jetzt anfing in die Wand hoch zu heben.

Ich versuchte aufzustehen, um ihm zu helfen, aber Maat streckte nur lässig eine Hand aus und „nagelte“ mich am Boden fest, so dass ich mich nicht rühren konnte. Sie riss sich mit der freien Hand das Messer aus der Brust und rammte es in einer einfachen schwungvollen Bewegung in Deans Bauch.

Dean schrie auf , bevor Maat ihn einfach fallen ließ und er in sich zusammen sackte.

„Dean!“, hörte ich Sam schreien, der wieder bei Bewusstsein zu sein schien.

Maats Blick zuckte nun rüber zu ihm. Anscheinend war jetzt er dran. Verzweifelt versuchte ich mich zu bewegen, aber Maats Zauber war zu stark.

Sie ging langsamen Schrittes unheilvoll auf Sam zu.

Mein suchender Blick fiel auf den Knochen,  der unberührt und spitz auf dem Boden lag. Ich konzentrierte mich. Ich war eine Hexe. Ich würde ja wohl etwas bewegen können, wenn ich es wollte. Ich fokussierte den Knochen und versuchte aus zu blenden wie Maat Sam packte und auf ihn einschlug.

„Ut movere!“, dachte ich. „Ut movere!“

Nichts passierte.

Verdammt.

Mein Blick glitt zu Dean. Er war bewusstlos und bewegte sich nicht, aber ich sah wie sein Brustkorb sich schwach hob und senkte. Er brauchte schnell Hilfe.

Erneut konzentrierte ich mich auf den Knochen. Immerzu das Bild des sterbenden Deans im Hinterkopf. Ich musste diesen verdammten Knochen bewegen.

„Ut movere!“, dachte ich erneut,aber diesmal langsam und bestimmt, so dass ich ganz deutlich machte, wer hier der Boss war.

Der Knochen wackelte.

Ich konzentrierte mich stärker und tatsächlich hob der Knochen leise vom Boden ab.

Mein Augen zuckten zu Maat hinüber und der Knochen folgte sofort. Er flog mit hoher Geschwindigkeit auf Maat zu und bohrte sich dort in ihren Rücken, wo das Herz saß.

Ich sah wie Maat inne hielt und überrascht auf den Knochen sah, der sie durchbohrt hatte. Dann fiel sie einfach wie ein Stein nach hinten und war tot.

Der Zauber löste sich von mir und ich rannte, genau wie Sam, sofort zu Dean.

„Dean!“, schrie Sam, der vor mir ankam und sich neben seinem Bruder fallen ließ und ihn schüttelte.

„Dean!“

Doch Dean rührte sich nicht.