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Kapitel 12

Eine Woche war vergangen. Nun ja, zumindest glaubte ich, dass es eine Woche war. In dieser dunklen Zelle verschwamm die Zeit sehr schnell und die dauerhafte Folter machte es einem noch schwerer das Zeitgefühl zu behalten. Sie versuchten mich zu brechen. Doch bis jetzt hatten sie das noch nicht geschafft. Egal wie sehr sie an mir rumschnibbelten, welche Knochen sie mir brachen oder welche Organe sie mir spaßeshalber entnahmen, um zu testen, ob ich wirklich nur starb, wenn man mir den Kopf abhackte. Ich hatte nicht vor ihnen irgendetwas zu geben. Keinen noch so kleinen Ortungszauber und erst Recht keine Hilfe zur Befreiung Luzifers.

Dennoch lief mir die Zeit davon. Während ich so kraftlos in den Ketten hing, am Rande des Todes, aber unfähig gänzlich zu sterben, fragte ich mich, wie lange es wohl dauern würde bis sie auf die Idee kämen mich zu töten, um zu sehen, ob die Hexe, die meinen Platz einnehmen würde kooperativer war.

Ich hatte bereits jegliche Hoffnung verloren, dass die Jungs mich vielleicht doch noch finden würden, als ich ein vertrautes Kribbeln spürte. Sofort fragte ich mich, ob ich nun schon halluzinierte,was bei dem Blutverlust, den ich durch den chirurgischen Schnitt erlitt, der sich quer über meinen Oberkörper zog, nicht ungewöhnlich wäre. Aber dieses Kribbeln war unverwechselbar. Vor meiner Entführung hatte ich während dem Üben von Zaubersprüchen einmal einen Zauber gesprochen, der mich mit den Jungs verband, so dass ich spürte, wenn sie in der Nähe waren und wusste, wenn sie verwundet waren. Ich hatte während meiner Gefangenschaft mehrmals versucht sie über diese Verbindung zu rufen, aber ich war wegen dem Stab in meinem Kopf und den Wunden an meinem Körper weder konzentriert noch stark genug gewesen, um auch nur annähernd eine Verbindung aufzubauen. Aber das Kribbeln, dass ich nun spürte, machte mir deutlich, dass die Jungs ganz nahe waren. Keine 500 Meter entfernt.

Kraftlos versuchte ich mich aufzurichten, doch sofort stiegen meine Schmerzen ins unermessliche und meine Füße gaben nach. Ich hörte wie ein leises, kaum hörbares Wimmern über meine Lippen kam, während ich gegen die erlösende Ohnmacht ankämpfte. Bewegen war gar nicht gut. Schwach hing ich in den Ketten und wartete auf die Jungs.

Innerlich fühlte ich wie meine restliche Magie endlich einsetzte, um mich quälend langsam zu heilen. Unterdrückt von dem Eisenstab in meinem Kopf und den Fesseln war kaum mehr ein Bruchteil von ihr aktiv.

Ich hörte wie sich leise die Tür des Raumes öffnete. Schwach hob ich den Kopf und erkannte sofort den dunklen Schatten, der in der Tür stand.

„Dean!“

Meine Stimme war kaum mehr als ein tonloses Wispern. Doch er hörte mich dennoch.

Er trat in den Raum und kam auf mich zu. Seine Augen musterten mich und waren vor Entsetzten weit aufgerissen. Ich hätte nicht gedacht, dass es überhaupt noch über irgendetwas entsetzt sein könnte.

„Oh mein Gott, Keira!“, flüsterte er.

Dann fing er sich schnell wieder und hob die Stimme.

„Sammy!“

Es dauerte kein 2 Sekunden und Sam erschien in der Tür. Trotz meiner Situation machte mein Herz sofort einen Sprung als ich seine vertrauten Umrisse sah. Er musterte mich von oben bis unten. Den Stab in meinem Kopf, die unzähligen Wunden aus denen Blut tropfte und den Schnitt quer über meinem Oberkörper, aus dem Minuten zuvor noch meine Eingeweide herausgehangen hatten. Sein Gesichtsausdruck wechselte von Besorgnis zu Entsetzen und dann zu Wut. Ich wusste was er gerade fühlte. Auch ich hatte diese Wandlung durchgemacht, aber momentan war ich zu erschöpft, um überhaupt etwas zu fühlen außer dem Schmerz. Dennoch versuchte ich die Situation etwas aufzulockern.

„So wie ihr mich anguckt, muss ich ja ganz schön bescheiden aussehen.“, versuchte ich vergeblich zu scherzen, wobei meine Stimme nach wie vor kaum hörbar war.

Die Jungs versuchten zu lächeln, was ihnen jämmerlich missglückte. Als Dean und Sam dann jedoch Anstalten machten mir zu helfen, hielt ich sie jedoch zurück.

„Passt auf, dass ihr mein Blut nicht berührt, es ist immer noch zum Teil mit Säure versetzt.“, zwang ich mich erneut zu hauchen.

Sofort machten die beiden einen großen Bogen um mein Blut auf dem Boden und fingen dann vorsichtig an die Ketten zu lösen. Sobald die Ketten mich nicht mehr aufrecht hielten, fiel ich in mir zusammen und wäre vermutlich hingefallen, wenn Sam mich nicht aufgefangen hätte.

Ich spürte wie die Säure in meinem Blut sofort vollständig verschwand, sobald die Ketten meine Magie nicht mehr einschränkten.

Als Dean den Stab aus meinem Kopf ziehen wollte, zuckte ich sofort vor Schmerz zusammen, als er ihn auch nur berührte. Noch immer dröhnte der Schmerz durch meinen Körper, weswegen man eigentlich meinen sollte, dass etwas mehr nichts mehr ausmachen sollte, aber genau das Gegenteil war der Fall.

Dean sah zu Sam. Unsicher, was er tun sollte.

„Zieh ihn raus.“, sagte ich so deutlich ich konnte.

Meine Stimme klang wie Schmirgelpapier. Nun sah Dean mich unsicher an.

„Aber das tut dir weh.“, meinte er.

Genervt verdrehte ich die Augen. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich ihn angefaucht.

„Da drin tut er ebenfalls weh. Also zieh ihn raus.“, antwortete ich stattdessen kaum hörbar.

Dean legte erneut die Hand auf den Stab. Ich schloss die Augen und machte mich bereit für das,was kam. Mit einem Ruck zog er den Stab aus meinem Schädel. Ein tonloser Schrei kam über meine Lippen als ich spürte wie der Stab aus meinem Gehirn glitt. Für ein paar Sekunden war alles wunderbar schwarz.

 

Als ich die Augen wieder öffnete, konnte ich erst nicht genau zuordnen, wo ich war. Panik keimte in mir auf. Doch als ich registrierte, dass ich in Sams Armen lag, der mich durch einen hell erleuchteten Flur trug, beruhigte ich mich wieder.

Irgendwas lief mir jedoch plötzlich eiskalt den Rücken hinunter.

„Sie kommen.“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu den anderen Beiden, aber ich spürte wie Sam sich sofort merklich verspannte.

Bereit sich zu verteidigen.

Im nächsten Moment tauchten 4 Gestalten aus dem Nichts vor uns auf. Dämonen! Unter ihnen war auch Abadon. Sie trat einen Schritt vor.

„Ihr seid deutlich in der Unterzahl. Gebt uns die Hexe und wir lassen euch vielleicht sogar leben.“, meinte sie gebieterisch.

Ich spürte wie Sam etwas sagen wollte, doch ich kam ihm zuvor.

„Du langweilst mich.“, hauchte ich.

Ich sah gerade noch Abadons verdutzten Gesichtsausdruck als ich meine Hand ausstreckte und eine Bewegung machte als wollte ich sie alle verscheuchen. Sofort verschwanden sie als wären sie nie da gewesen.

Erschöpft lehnte ich den Kopf gegen Sams Brust und schloss die Augen.

 

Als ich wieder aufwachte, lag ich in meinem Bett. Ich wusste nicht wie lange ich geschlafen hatte, doch es mussten mehrere Tage gewesen sein. Meine Wunden waren völlig verheilt, doch ich fühlte mich immer noch etwas schwach. Die Heilung musste mich viel Kraft gekostet haben.

Vorsichtig setzte ich mich auf und griff nach dem Wasserglas neben dem Bett. Mein Hals fühlte sich an als bestünde er aus Schmirgelpapier.

„Du bist wach.“, kam es vom anderen Ende des Raumes.

Ich wandte den Kopf in die entsprechende Richtung. Dort saß Sam in einem Sessel. Die Haare waren total verstrubbelt und seine grünen Augen waren zusammengekniffen als hätte er bis eben geschlafen und wäre gerade erst aufgewacht.

„Warst du die ganze Zeit hier?“, fragte ich überrascht mit einer Stimme, die völlig normal klang.

Er nickte.

„Wie lange habe ich geschlafen?“

„Fast 4 Tage.“, antwortete er sanft. „Wie fühlst du dich?“

Ich lachte leise.

„Als hätte ich Rasierklingen geschluckt.“

Ein Lächeln blitzte in seinem Gesicht auf. Gott, wie ich sein Lächeln vermisst hatte.

„Nein, aber ernsthaft, es geht mir wesentlich besser als man es nach diesen Geschehnissen erwarten sollte.“

Ich lächelte ihn aufmunternd an. Er erwiderte mein Lächeln und stand auf.

„Ich sollte Dean holen.“, bemerkte er.

„Nein, warte. Ich komme mit. Ich bin lange genug gelegen.“

Ich schwang die Beine über die Bettkante und stand auf. Doch ich war kaum 2 Schritte gelaufen, da gaben plötzlich meine Beine nach und ich wäre hingefallen,wenn nicht Sam plötzlich an meiner Seite aufgetaucht wäre und mich aufgefangen hätte. Dabei rutschte mein Oberteil nach oben und seine Hände trafen auf meine nackte Haut. Mein Körper reagierte sofort auf diese Berührung und es fühlte sich an als würden Millionen von Stromschlägen von dieser Stelle aus durch ihn hindurch rasen.

„Und wieder einmal bist du da, um mich aufzufangen.“, flüsterte ich mit rauer Stimme.

Mein Gesicht war ganz nah an seinem. Ich konnte seinen Atem auf meiner Wange spüren. Diese grünen Augen fixierten die meinen… und dann küsste er mich und ein Feuerwerk explodierte in meinem Kopf.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Shanel

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