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Kapitel 11

Als ich wieder zu mir kam, war es stockdunkel und etwas eiskaltes schloss sich schmerzhaft um meine Fuß- und Handgelenke und hielt sie weit voneinander entfernt an der harten Steinwand fest, an der ich stand. Meine Arme und Beine waren praktisch gespreizt. Es stank nach verfaulten Eiern und noch etwas anderem, dass ich nicht identifizieren konnte. Die Luft war sehr schwül und stickig. Ich spürte wie mir der Schweiß den Rücken herunter lief.

Vergeblich versuchte ich mich von der Wand zu befreien, doch die eiskalten Ketten ließen das nicht zu.

„Erit Lux.“, flüsterte ich in der Hoffnung etwas Licht zu haben, um zu sehen wo ich war.

Doch nichts passierte.

„Gib es auf. Das sind Eisenketten, die vorher in Salz getaucht wurden. Die absorbieren sogar deine Kräfte!“, meinte plötzlich eine dunkle Stimme mitten aus der Dunkelheit.

Im nächsten Moment ging das Licht an. Für einen Moment geblendet, schloss ich die Augen. Als ich sie wieder öffnete, stand vor mir ein Mann. Er war nicht sehr groß , dafür aber schlank und muskelbepackt. Sein Gesicht könnte fast freundlich wirken,wenn da nicht diese schwarzen Augen wären, die mich unverblümt hasserfüllt und voller Abscheu anstarrten.

Dämon!, dachte ich sofort. Was auch sonst?

In seinen Händen hielt er einen Eisenstab, der aussah wie ein zu groß geratener Nagel. Natürlich trug er Handschuhe, schließlich wollte er sich ja nicht selbst verbrennen.

Frech grinste er mir ins Gesicht, was mir einen Kälteschauer den Nacken hinunter jagte. Was auch immer ihn so glücklich machte, konnte nur schlecht für mich sein. Schließlich war ich wohl kaum wegen einem Missverständnis so ungemütlich an die Wand gekettet.Apropos…

„Also ich will eure Gastfreundschaft ja wirklich nicht kritisieren, vielleicht hatten ihre bisherigen Gäste auch andere Vorlieben, aber ich bevorzuge doch eher eine gemütliche Couch. Ich steh nicht so auf die Sadomaso- Nummer.“, meinte ich ironisch und versuchte es mit etwas von Deans Humor, den ich mir mit der Zeit abgeschaut hatte.

„Ich weiß ja nicht warum sie dich immer noch für so gefährlich hält, wo du ja jetzt an diesen Eisenketten festgemacht bist, aber ihre Extra- Sicherheitsmaßnahme finde ich trotzdem amüsant.“, sagte er mit Vorfreude in der Stimme und ohne meinen vorherigen Kommentar zu beachten. Er lächelte mich unheilvoll an. Mein Blick fiel auf den Stab in seiner Hand und irgendetwas sagte mir, dass ich nicht wissen wollte, wofür dieser Stab war. Ich fragte dennoch:

„Was ist das für ein Ding?“

Mein Blick war nach wie vor auf den Stab gerichtet, weswegen ich sein Lächeln nicht sehen konnte, aber ich hörte es in seiner Stimme. Offenbar war er erfreut darüber zu erzählen wie er mir wehtun durfte.

„Das ist ein Eisenstab. Er funktioniert wie die Handschellen, nur ist er wesentlich wirkungsvoller, weil ich ihn in deinen Kopf stoßen werde, so dass du dich nicht genug konzentrieren kannst, um Magie zu wirken.“

Sein Lächeln wurde noch breiter. Wie gern ich es ihm jetzt doch aus dem Gesicht prügeln würde. Doch ich konnte es nicht. Und was den Stab anging hatte ich Recht gehabt: ich wollte es nicht wissen. Doch jetzt war es zu spät.

Ehe ich noch etwas sagen konnte, hob der Dämon den Stab und rammte ihn mir zwischen die Augen, durch die Schädelplatte hindurch. Schmerz explodierte in meinem Kopf. Nahm mir die Sicht. Ich konnte nicht mehr klar denken. Meine Sinne setzten aus. Da war nichts außer diesem allgegenwärtigen Schmerz.

Als meine Sinne langsam wieder einsetzten, hörte ich, dass ich schrie wie am Spieß. Der Raum wackelte wie bei einem Erdbeben. Neben mir bröckelte die Steinwand. Ich wusste instinktiv, dass sämtliches Glas zersprungen wäre, wenn es hier Glas geben würde.

Der Dämon schien zu dem selben Schluss zu kommen, denn er hob erneut die Hand und drückte dem Stab noch tiefer in mein Gehirn. Ich konnte noch sehen wie der Raum aufhörte zu zittern. Ich spürte noch wie der Stab tiefer in mein Gehirn vordrang , jeden Widerstand zerstörte und meine Magie völlig blockierte, dann verlor ich das Bewusstsein.

 

Als ich nach mehreren Stunden wunderbar schmerzfreier Schwärze wieder zu Bewusstsein kam, spürte ich sofort den donnernden Schmerz in meinem Schädel, der mir fast den Atem raubte und mir die Sicht nahm. Unterbewusst realisierte ich , dass ein normaler Mensch und so manche andere Kreatur den Schaden, den mein Körper davontrug nicht überlebt hätte und es ganz sicher auch nicht würde, aber mich würde es nicht umbringen.

Allerdings war der Schmerz, den ich nun spürte, Nichts im Vergleich zu dem, den ich vor meiner Bewusstlosigkeit gespürt hatte. Das machte ihn fast erträglich.

Blinzelnd sah ich mich im Raum um, der hell erleuchtet war, was mich vermuten ließ, dass ich nicht allein war, denn dann hätten sie wohl kaum das Licht angelassen. Mein blick fiel auf einen zusammengekrümmten Körper ein paar Schritte von mir entfernt. Er lag in einer seltsam verdrehten Weise da, was mich darauf schließen ließ, dass er bereits tot war. Vermutlich war das der 2.Geruch gewesen, den ich nicht identifizieren konnte.

Glücklicherweise konnte ich gerade allerdings gar nichts mehr riechen, was mich darauf schließen ließ, dass der Stab unter anderem den Teil meines Gehirns durchbohrt hatte, der für den Geruch zuständig war.

Meine Augen wanderten weiter und blieben schließlich an einer Gestalt hängen, die sich gerade von der gegenüberliegenden Wand abstieß, wo sie mit den Schatten verschmolzen war und nun geradewegs auf mich zu lief.

„Wie ich sehe, bist du endlich wach.“, meinte sie mit einer sanften Stimme, die allerdings einen gefährlichen Unterton hatte.

Die Gestalt war eine junge Frau mittleren Alters mit roten Haaren und von schlanker Figur. Sie trug ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift: „The Devil made me do it.“ und dazu eine schwarze Lederjacke. In ihren Augen lag ein gefährliches Funkeln.

„Wer bist du?“, fragte ich möglichst ruhig und zu meiner Überraschung klang meine Stimme sicher und fest.

Die Frau machte einen Schmollmund.

„Das weißt du nicht? Ich hätte gedacht die Winchesters würden von mir erzählen.“, meinte sie gespielt beleidigt. „Ein keiner Tipp: Ich habe ihren Großvater getötet.“

Damit bestätigte sie meine finsterste Vermutung und das war gar nicht gut.

„Abadon!“ , zischte ich hasserfüllt.

Nach allem was ich über sie gelesen hatte, konnte ich sie auf den Tod nicht ausstehen. Ehrlich gesagt konnte ich niemanden ausstehen,der meinen Jungs schaden wollte, aber Abadon war definitiv in den Top 3, gleich nach Luzifer und Zachcharia. Gordon war selbstverständlich eine Klasse für sich. Er gehörte eher in die verrückte Psychopathenklasse mit Hang für meine Jungs.

Abadon machte einen kleinen verächtlichen Knicks.

„Die einzig Wahre!“, meinte sie arrogant.

Ich lachte trocken.

„Kann man wohl sagen. Was willst du?“, meinte ich unhöflich.

„Du kommst gleich zur Sache. Das finde ich gut.“

Sie lächelte gefährlich.

„Ich brauche einen Zauber, aber den kann nur die mächtigste derzeit lebende Hexe sprechen und meine Quellen bestätigen mir, dass du das bist.“

Einen Moment war ich völlig überrumpelt. Ich ? Die mächtigste existierende Hexe? Das konnte nicht sein. Sie musste sich irren.

Doch dann riss ich mich wieder zusammen und ließ mir nichts anmerken. Nach außen hin wirkte ich völlig unbeeindruckt.

„Was für ein Zauber?“ , fragte ich scheinbar gleichgültig.

Einen Moment schien sie überrascht über meine Gleichgültigkeit, doch dann fing auch sie sich wieder.

„Ein Zauber, der Luzifer aus seinem Käfig befreit.“

Ich schüttelte den Kopf, bemüht die Ruhe zu bewahren. Das Ganze wurde immer verrückter.

„Unmöglich.“

„Nein.“, erwiderte sie ruhig. „ Mir wurde von zuverlässiger Quelle berichtet, dass es sehr wohl möglich ist. Mit den richtigen Zutaten.“

„Welche Zutaten?“

Ich hatte die Leitung des Gesprächs übernommen, doch sie schien es gar nicht zu bemerken. Dafür war sie viel zu beschäftigt damit mit ihre großartigen Pläne offen zu legen. Typisch Bösewichte. Immer mussten sie prahlen.

„Blut der wahren Hülle. Blut eines Alphas. Knochen eines Erzengels. Das Herz einer gläubigen Jungfrau. Blut eines Leviathans. Die Haare eines geheilten Dämons. Und die mächtigste geborene gute Hexe, die den Zauber aus freien Stücken spricht.“, rasselte Abadon triumphierend herunter.

Ich sog scharf die Luft ein. Sie hatte Recht. Das alles zusammen könnte wirklich zu einem Zauber werden, der mächtig genug war, um Luzifer erneut aus dem Käfig zu befreien und zwar auf Dauer. Ich konnte das auf keinen Fall zulassen. Ich atmete tief durch und wappnete mich für das, was als nächstes kam.

„Na, kannst du den Zauber sprechen?“, fragte sie interessiert.

„Möglich,“, antwortete ich wahrheitsgemäß, „aber das werde ich nicht.“

Abadon wirkte nicht sonderlich überrascht.

„Dann werden wir dich eben dazu bringen.“, meinte sie und wirkte dabei nicht wirklich verstimmt, sondern voller Vorfreude.

„Ihr könnt es ja versuchen.“ , bemerkte ich ruhig und herausfordernd , obwohl mein Herz sich vor Panik zusammenzog.

Sie lächelte erfreut.

„So etwas lasse ich mir nicht 2 mal sagen. Ich liebe Herausforderungen.“

Sie klang gefährlich.

Jemand rollte einen Tisch mit den verschiedensten gefährlich aussehenden Geräten herein. Am liebsten wäre ich los gerannt und nie wieder stehen geblieben. Doch ich zwang mich ruhig zu bleiben. Sie würden rein gar nichts von mir bekommen. Ich konnte die Welt nicht Luzifer ausliefern und ohne mich würde gar nichts laufen. Doch eine Frage ließ mich nicht in Ruhe. Denn irgendetwas passte hier gar nicht zusammen.

„Ich hätte noch eine Frage bevor wir anfangen.“

Sie wirkte gar nicht erfreut, doch sie tat auch nichts um mich aufzuhalten.

„Warum willst du Luzifer überhaupt befreien? Ich dachte du willst über die Hölle herrschen. Da wäre Luzifer doch sehr hinderlich.“

„Nun ja.“, meinte sie, während sie das Skalpell in der Hand hin und her wog und dann mit Wasser und Salz übergoss. „Man hat mir deutlich gemacht, dass es für mich sehr unangenehm werden würde, wenn ich ihn nicht befreie.“

„Und da hast du beschlossen lieber deinen Hintern zu retten als über die Hölle zu herrschen. Typisch Dämon!“, bemerkte ich mehr zu mir selbst als zu ihr.

Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern.

Ich musste an Dean und Sam denken. Sie suchten wahrscheinlich bereits überall nach mir, doch ehrlich gesagt machte ich mir keine Hoffnungen, dass sie mich in nächster Zeit finden würde. Dafür hatten sie einfach zu wenig Anhaltspunkte. Ich bezweifelte, dass mich überhaupt jemand finden konnte. Selbst Sherlock Holmes hätte vermutlich seine Probleme damit.

„Wer ist den so mächtig, dass sogar Abadon vor ihm zu Kreuze kriecht?!“, provozierte ich weiter.

Das machte es mir wesentlich einfacher meine Angst zu verbergen.

Offenbar hatte ich einen Volltreffer gelandet, denn Abadon wirbelte herum, fauchte: „Ok, das reicht.“ und stand mit hasserfüllten Augen blitzschnell vor mir. Ich hatte nicht einmal gesehen, dass sie sich bewegt hatte, bis das Skalpell tief in meine Haut schnitt und mich aufschreien ließ.

Immerhin nahm mir der Schmerz meine Panik.